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Postpartale Depression

Neun Monate Schwangerschaft: Endlich ist das Baby da. Eigentlich gäbe es allen Grund, um glücklich zu sein. Doch einige Frauen sind es nicht. Tränen, Ängste und Sorgen überlagern die Glücksgefühle und lassen die Muttergefühle noch im Verborgenen. Eine Krise bzw. Depression entsteht häufig im Zusammenhang mit bedeutsamen Erlebnissen, die verarbeitet werden müssen. Die Geburt eines Kindes ist ein typisches Beispiel dafür . . .

Postpartale Depression

Zu psychischen Krisen nach der Geburt zählen Baby-Blues, postpartale Depression und Postpartale Psychose. Ungefähr jede sechste Frau leidet nach der Geburt an einer postpartalen Depression. Verschiedene Symptome – wie Antriebslosigkeit, Freudlosigkeit, Erschöpfungszustände, Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Schuldgefühle und gesteigerte Ängstlichkeit –, die über einen längeren Zeitraum andauern, können auf eine postpartale Depression hindeuten. Die Depression entwickelt sich meist in den ersten drei Monaten bis zu einem Jahr nach der Geburt. Diese psychische Erkrankung kann mit körperlichen Symptomen einhergehen, wie z.B. Herzrasen und Herzschmerzen, abwechselnde Hitze- und Kältegefühle, Schwindel und Zittern.

Wie kann man vorbeugen?

Schwangerschaft und Mutterschaft bringen eine Reihe von neuen Erfahrungen mit sich. Damit diese möglichst positiv in Erinnerung bleiben, haben Expertinnen und Experten einige Tipps:

  • Sprechen Sie über alles, was Sie belastet und was Ihnen Sorgen bereitet.
  • Überlegen Sie schon während der Schwangerschaft, wie ein Baby Ihr Leben verändern wird. Sprechen Sie mit Ihrem Partner darüber, wie Sie die neue Situation gemeinsam meistern können.
  • Planen Sie für die Zeit nach der Geburt zusätzliche Unterstützung ein und organisieren Sie diese rechtzeitig.
  • Binden Sie Ihren Partner in die Betreuung des Babys mit ein.
  • Versuchen Sie, während der Schwangerschaft und in den ersten Monaten nach der Geburt so wenig Lebensveränderungen wie möglich vorzunehmen (z.B. Umzug, Jobwechsel).
  • Planen Sie auch tagsüber Ruhepause ein – etwa wenn das Baby schläft.
  • Nehmen Sie sich Zeit für sich selbst – planen Sie Aktivitäten, treffen Sie sich mit Freunden, verschaffen Sie sich Entspannung etc.
  • Schließen Sie Kontakte zu anderen Müttern und tauschen Sie Erfahrungen aus.

Ursachen einer postpartalen Depression

Die Ursachen für diese Art der Depression können vielfältig sein. Expertinnen und Experten vermuten dahinter hormonelle Veränderungen oder traumatische Geburtserlebnisse – wie zum Beispiel ein unerwarteter Kaiserschnitt. Schwierige Lebenssituationen wie beispielsweise eine schwierige Beziehung zum Partner, Probleme innerhalb der Familie oder finanzielle Schwierigkeiten können weitere mögliche Auslöser sein. Frauen, die vor der Schwangerschaft schon einmal depressiv waren, neigen eher dazu, an einer postpartalen Depression zu erkranken, als Frauen, die nie zuvor an einer Depression litten.

Diagnose

Diagnose & Therapie

Die Diagnose einer postpartalen Depression wird durch ein ausführliches Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt gestellt. Die Art der Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad der Depression. Die Ärztin oder der Arzt kann eine medikamentöse Therapie oder eine Psychotherapie verordnen. Häufig werden diese Behandlungsangebote auch kombiniert. Die Therapie kann ambulant oder bei schweren Fällen auch stationär durchgeführt werden. Bleibt eine postpartale Depression unbehandelt, kann die Mutter-Kind-Beziehung nachhaltig gestört werden. Ein Neugeborenes benötigt sehr viel Zuwendung und Pflege, die ihm eine erkrankte Mutter oft nur bedingt geben kann. Es besteht die Gefahr, dass das Neugeborene emotional unterversorgt bleibt. Schwere Interaktionsstörungen zwischen Mutter und Kind können die Folge sein.

Wie Partner unterstützen können

Auch Männer können einen Beitrag zur Vorbeugung einer postpartalen Depression leisten:

  • Begleiten Sie die werdende Mutter bereits in der Schwangerschaft auf Ihrem gemeinsamen Weg hin zu Ihrer Elternrolle.
  • Nehmen Sie sich Zeit für Ihre Partnerin und Ihren Nachwuchs.
  • Reden Sie mit Ihrer Partnerin über Sorgen.
  • Tauschen Sie sich im Freundeskreis oder mit anderen Eltern aus.
  • Sexualität steht nach der Geburt meist nicht im Mittelpunkt der Beziehung. Versuchen Sie andere Wege zu finden, Ihre Zuneigung zu zeigen. Üben Sie keinen Druck aus.
  • Versuchen Sie Unterstützung von außerhalb positiv gegenüber zu stehen.

Wenn die Frau nach der Geburt an einer postpartalen Depression leidet, kann Sie der Partner durch einige Maßnahmen unterstützen z.B.:

  • Die Mutter ermutigen, professionelle Hilfe zu suchen bzw. selbst welche organisieren.
  • Alltagstätigkeiten durchführen (z.B. Einkaufen, Haushalt).
  • Kinderbetreuung übernehmen/organisieren.
  • Für genügend Schlaf der Mutter sorgen.

Partner sollten jedoch auch auf ihre eigene Gesundheit achten. Sie können selbst Hilfe in Anspruch nehmen, wenn sie merken, dass ihnen die Situation über den Kopf wächst. Es ist nur verständlich, dass man in herausfordernden Situationen nicht alles alleine schaffen kann. Denken Sie dabei auch an das Wohl Ihres Kindes bzw. Ihrer Kinder.

Postpartale Psychose

Die postpartale Psychose kommt relativ selten vor und betrifft nur rund ein Prozent der Frauen. Sie entsteht meistens in den ersten zwei Wochen nach der Geburt, kann sich aber auch aus einer postpartalen Depression entwickeln. Die postpartale Psychose gilt als die schwerste Form der nachgeburtlichen Krise. Gekennzeichnet ist diese Psychose unter anderem dadurch, dass die betroffenen Frauen den Bezug zur Realität verlieren oder an Wahnvorstellungen leiden. Die postpartale Psychose macht eine ärztliche Behandlung unbedingt erforderlich. In den meisten Fällen ist eine stationäre Aufnahme in ein Krankenhaus mit psychiatrischer Abteilung unumgänglich.

Auch bei der postpartalen Psychose können Partner die frischgebackene Mutter unterstützen. Lassen Sie sich diesbezüglich von Fachpersonal beraten. Scheuen Sie sich nicht, auch selbst Hilfe zu suchen, wenn Ihnen diese herausfordernde Situation sehr zu schaffen macht.

 Wohin kann ich mich wenden?

Für die Diagnose einer psychischen Krise nach der Geburt können Sie sich an folgende Stellen wenden:

  • Allgemeinmedizinerin/Allgemeinmediziner
  • Hebamme
  • Psychotherapeutin/Psychotherapeut
  • klinische Psychologin/klinischer Psychologe
  • Psychiaterin/Psychiater
  • Krankenhaus mit psychiatrischer Abteilung

Auch unter folgenden Links finden Sie Hilfe und Beratung:

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Eine Psychotherapie ist grundsätzlich eine private Leistung, die nicht von der Krankenkasse bezahlt wird. Die Krankenkassen gewähren jedoch bei sogenannten „krankheitswertigen Störungen“ einen Zuschuss pro Therapiesitzung. Die Abdeckung der Kosten für eine Psychotherapie durch die Krankenkasse ist in den österreichischen Bundesländern unterschiedlich geregelt.

Kostenzuschüsse werden geleistet, wenn:

  • die Psychotherapie zur Behandlung einer Krankheit notwendig ist,
  • die Psychotherapie von Personen durchgeführt wird, die zur selbstständigen Ausübung dieser Therapie berechtigt sind.

Um jedoch einer gewissen Zahl an Patientinnen und Patienten eine vollständige Übernahme der Psychotherapiekosten (je nach Bundesland unterschiedliche Lösungen und Modelle) zu ermöglichen, stehen einzelnen Psychotherapeutinnen bzw. Psychotherapeuten zwei bis vier Kassenplätze zur Verfügung. Bei Verfügbarkeit eines solchen Kassenplatzes entstehen den Patientinnen/Patienten keine Kosten für die Therapie. Informationen über die Möglichkeit einer Psychotherapie auf Krankenschein erhalten Sie bei Ihrer Krankenkasse. Die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe ist grundsätzlich kostenlos. Einige Selbsthilfegruppen verlangen jedoch einen kleinen Unkostenbeitrag. Ausführliche Informationen erhalten Sie unter Psychotherapie.

Die umfrangreiche Broschüre des Fonds Soziales Wien Eigentlich sollte ich glücklich sein enthält Wissenswertes zur postpartalen Depression. Sie informiert über das Krankheitsbild und die unterschiedlichen Behandlungsmöglichkeiten der Erkrankung.